Existenzgründung als Notausstieg?
Ein recht euphorischer Artikel in der Süddeutschen Zeitung sieht den Schritt in die Selbstständigkeit als “Chance in schwierigen Zeiten”. Bei allem Respekt vor den dort genannten Protagonisten – besser gesagt: Protagonistinnen – bin ich dennoch skeptisch.
Ich persönlich hatte bei meiner Existenzgründung Ende der neunziger Jahre das Glück, vom steigenden Bedarf an Wirtschafts- und Finanzinformationen zu profitieren. Als der Neue-Markt-Boom zu Ende war, hatte ich mich schon so etabliert, dass ich auch in schwierigen Zeiten einen großen Teil meiner Kunden halten konnte. Wer sich in den Abschwung hinein selbstständig macht, kann dagegen auf solchen Wellen nicht mitschwimmen und die Boom-Zeit zum Aufbau solider Kundenbeziehungen nutzen.
Die Existenzgründung mangels Job-Perspektive halte ich daher für ein ziemlich riskantes Unterfangen – vor allem wenn kein ordentliches Finanzpolster vorhanden ist. Gerade in Krisenzeiten gilt mehr denn je: Wer sich selbstständig machen will, braucht nicht nur eine richtig gute Idee, sondern auch einen langen finanziellen Atem.







