Wie Sie Anlagebetrüger rechtzeitig erkennen

Selbstständige sind oftmals risikofreudig und haben Geldreserven – das macht sie zu einer beliebten Zielgruppe von dubiosen Finanzverkäufern. Damit Sie kein Opfer von Abzockern und Betrügern werden, sollten Sie die nachfolgende Zusammenfassung lesen.

Abzocker-Produkte im Überblick:

Aktien-, Devisen- und Währungsspekulationen: Das sind in den meisten Fällen sogenannte Optionsgeschäfte, die im Prinzip wie eine Wette funktionieren. Sie erhalten das Recht, nach Ablauf der Wettfrist ein bestimmtes Wertpapier zu einem vorher bestimmten Kurs zu kaufen. Ist der Kurs dann höher als die Summe aus dem vorhergesagten Betrag und dem Preis des Optionsscheins, können Sie viel Geld gewinnen. Ist er niedriger, geht recht schnell der ganze Einsatz verloren. Das System funktioniert auch umgekehrt mit Verkaufsoptionen, und es gibt auch Wettgeschäfte, mit denen weder ein Kauf noch ein Verkauf verbunden ist. Allen gemeinsam ist, dass es reine Glücksspiele mit einer realistischen Aussicht auf Totalverlust sind.

Warentermingeschäfte: Auch das sind Geschäfte auf Optionsbasis, nur daß es hier nicht um Wertpapiere oder Devisen geht, sondern um Rohstoffe wie Kaffee, Erdöl, Metalle oder Weizen. Wer sich ohne fundierte eigene Sachkenntnis an solchen Geschäften beteiligt oder gar sein Geld einem Anlagehai zum Zocken anvertraut, kann den eingesetzten Betrag gleich abschreiben.

Zinsdifferenzgeschäfte: Das Prinzip ist einfach und auf den ersten Blick verlockend. Sie nehmen einen Kredit in einer starken Währung auf – zum Beispiel Schweizer Franken – und bezahlen dafür einen niedrigen Zins. Diesen Betrag legen Sie in einem anderen Land mit schwacher Währung zu hohen an. Sie brauchen kein eigenes Geld einzusetzen, weil ja die Geldanlage über den Kredit finanziert wird. Und theoretisch bleiben Ihnen 5 Prozent Überschuss, weil Sie von den Zinserträgen nur einen Teil für die Zahlung der Kreditzinsen aufwenden müssen. Die Falle lauert im Devisenkurs: Hochzins-Währungen sind meistens schwache Währungen, und so fressen die Devisenkursverluste sämtliche Zinsvorteile schnell wieder auf.

Penny Stocks: Das ist ein Begriff für Aktien, die nicht an der regulären Börse gehandelt werden. Vor allem in Großbritannien, Kanada und der USA gibt es dafür Handelsplätze, wo solche Aktien im Direktgeschäft, und hier tummeln sich hier auch Ganoven und Betrüger. Über Scheinfirmen werden Anlegergelder gesammelt und vor dem Konkurs des Unternehmens in dunkle Kanäle geleitet. Die Provisionen für An- und Verkauf machen daüber hinaus oft über die Hälfte des eingesetzten Kapitals aus und vereiteln so von vornherein jede Chance auf Gewinn. Die spärlichen Informationen machen es für deutsche Anleger unmöglich, seriöse Angebote von unseriösen zu unterscheiden. Und das heißt im Zweifelsfall: Finger weg von Penny Stocks.

Beteiligungsgeschäfte: Hier gibt es manche seriöse und viele unseriöse Anlageformen, die oft in den abenteuerlichsten Variationen auftauchen. Geschlossene Immobilienfonds, stille Beteiligungen an Unternehmen, Finanzierungen von Schiffen und Flugzeugen, Anteile an Medienunternehmen und Filmproduktionen – es gibt fast nichts, was nicht auf diesem Markt irgendwann aufgetaucht und oft genauso schnell wieder verschwunden ist. Beim Verschwinden schauten dann auch die Anleger in die Röhre, die ihr Geld einem windigen Verkäufer anvertraut hatten. Es gibt in diesem Bereich auch durchaus ernstzunehmende Anbieter, doch um die herauszufinden, bedarf es einiger Sachkenntnis. Wenn Sie dieses Fachwissen nicht besitzen, sollten Sie um Beteiligungsgeschäfte einen großen Bogen machen.

Schneeballsysteme: Bei Schneeballsysteme werden Traumrenditen versprochen, die jedoch nicht aus dem Ertrag einer Kapitalanlage, sondern von den Einzahlungen neuer Anleger gezahlt werden. Das funktioniert nur bei stetig wachsendem Kundenzustrom – sobald dieser nachlässt, bricht das System in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Schneeballsysteme gelten in Deutschland als kriminelle Vereinigungen und sind deshalb nicht nur unseriös, sondern auch illegal.

Die Tricks unseriöser Finanzverkäufer:

Als Anleger sollten Sie ein funktionierendes Frühwarnsystem entwickeln, um unseriöse und kriminelle Angebote schnell enttarnen zu können. Hier folgen daher noch ein paar Hinweise, wann bei Ihnen die Alarmglocken klingeln sollten.

Kundenfang per Telefon: Die Anmache per Telefon ist nicht nur lästig, sondern auch verboten. Wer Privatleute anruft, um auf diese Weise neue Kunden zu werben, verstößt gegen das Wettbewerbsrecht. Wenn man Sie anruft, um unter irgend einem Vorwand einen "unverbindlichen Beratungstermin" zu vereinbaren oder – noch schlimmer – um gleich am Telefon ein Geschäft abzuschließen, sollten Sie gleich wieder auflegen.

Jetzt oder nie: Wer Sie unter Zeitdruck setzt, hat einiges zu verbergen. Ein seriöser Berater läßt Ihnen genügend Zeit, daß Sie die verschiedenen Angebote prüfen und in aller Ruhe Ihre Entscheidung treffen können. Die Verkäufer der Strukturvertriebe haben meist die klare Vorgabe, gleich beim ersten Kundenbesuch einen Vertrag abzuschließen. Daß bei einem solchen Verkaufsdruck in aller Regel der Kunde über den Tisch gezogen wird, versteht sich von selbst.

Geheimtipps und überhöhte Renditen: Vergleichen Sie die das Renditeversprechen des Verkäufers mit der marktüblichen Rendite bei festverzinslichen Wertpapieren, Sparbriefen oder Bundesschatzbriefen. Wenn die angekündigte Verzinsung weit darüberliegt, ist etwas faul an der Sache. Entweder wird Ihnen das damit verbundene Risiko verschwiegen, oder Sie sind sogar dabei, einem Betrüger auf den Leim zu gehen.

Geldanlage im Ausland: Wenn Sie über dubiose Vermittler Geld ins Ausland transferieren, ist es fast immer auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Das gilt nicht nur für die berüchtigten Tummelplätze der Finanzmafia wie die Bahamas, einige afrikanische Länder und die Südsee-Inseln, sondern auch für angeblich so sichere Länder wie die Schweiz, Liechtenstein oder die zu Großbritannien gehörenden Kanalinseln Jersey und Guernsey. Immer dann, wenn es zu Streitigkeiten kommt, müssen Sie nach ausländischem Recht vor dem ausländischen Gericht klagen. Bis Sie einen kompetenten Anwalt gefunden und die Fußangeln der Verträge festgestellt haben, sind die Anlagebetrüger längst über alle Berge.

2 Kommentare

  1. Man sollte Optionen nicht einfach als “Wetten” abtun. Natürlich kann man dabei alles verlieren aber eben nicht mehr eine Nachschußpflicht gibt es nicht. Von einem anderen Blickwinkel aus gesehen kann man Optionsprämie als “Versicherungsprämie” ansehen. Wenn man nämlich sagen wir mal x Aktien von Firma xy hat, und man hat z.B. schon gut verdient hofft aber auf einen weiteren Aufstieg dann kann man sagen. Ok, kaufe ich mir einen Put der nahe am aktuellen Kurs liegt und sollte es “runter” gehen, habe ich dennoch keine Verluste weil der Put das ja ausgleicht.

    Natürlich kann man mit Optionen auch spekulieren, nur das kann man mit Aktien auch, wenn man aber Futures und ähnliches nimmt dann ist das Risiko weitaus höher.

    Auch sollte man bei Optionen für Währungen ein bisschen vorsichtiger sein mit dem Ausdruck wetten, nur mit diesen kann man Währungsrisiken im vorraus auschließen. Ich fände es besser hier etwas differentzierter zu schreiben.

    Mit freundlichen Grüssen
    Friedrich Dominicus

  2. Sei immer auf der Hut! Diese Worte muss man nie vergessen und sich oft zu wiederholen.

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