Sechs Argumente gegen Honorar-Geiz

Als Selbstständiger oder müssen Sie im Vergleich zu Angestellten höhere Risiken in Kauf nehmen. Am Kapitalmarkt gibt es ein einfaches Grundgesetz: Je höher das Risiko, desto höher muss die Rendite sein. Das gilt auch beim Lohn für Ihre Arbeit. Deshalb sollten Sie bei der Kalkulation Ihrer Honorare und Preise nicht nur den eigentlichen Wert Ihrer Arbeit, sondern auch einen fairen finanziellen Ausgleich für die zusätzlichen Risiken berücksichtigen. Nachfolgend finden Sie ein paar Argumentationshilfen für Ihre Honorarverhandlung, wenn der Auftraggeber – was immer wieder vorkommt – behauptet, Sie seien mit Ihrem Honorar viel teurer als seine Angestellten.

  • Ihre Kunden können Ihnen von heute auf morgen Aufträge entziehen. Wer als Angestellter eine feste Arbeitsstelle hat, ist zumindest vor dem kurzfristigen Rauswurf einigermaßen geschützt. Er hat nicht nur die Kündigungsfrist, die sein Arbeitgeber einhalten muss, sondern je nach Betriebszugehörigkeit, Alter und Familienstand einen besonderen Kündigungsschutz. Will sein Arbeitgeber ihn entlassen, muss er die soziale Situation vorher berücksichtigen, und auch der Betriebsrat muss zustimmen. Außerdem gibt es je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit ein Recht auf eine angemessene Abfindung. Diese Sicherheiten geben Sie beim Schritt in die berufliche Selbstständigkeit auf. Wenn Sie nicht mehr gebraucht werden, haben Sie unter Umständen innerhalb weniger Tage auch mal happige Umsatzeinbußen zu verbuchen.
  • Arbeitslosigkeit kann Ihre Existenz bedrohen. Als Selbstständiger zahlen Sie keine Beiträge mehr zur gesetzlichen Arbeitslosenversicherung, da Sie ja kein Arbeitnehmer mehr sind, sondern auf eigene Rechnung arbeiten. Wenn alle Stricke reißen und Ihnen sämtliche Kunden den Rücken kehren würden, könnten Sie sich nicht einfach arbeitslos melden.
  • Ihr Aufwand für die Sozialversicherung ist hoch, weil Sie die Beiträge Sie in voller Höhe selbst tragen müssen. Arbeitnehmer können sich bei der sozialen Absicherung auf den Arbeitgeber-Zuschuss verlassen: Die Prämien für Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung sind festgelegt und werden je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlt. Als Selbstständiger haben Sie hingegen die Wahl zwischen einer Vielzahl von privaten und gesetzlichen Vorsorgeformen – und die dafür anfallenden Kosten müssen Sie komplett aus eigener Tasche bezahlen. Zwar erscheint manche Privatversicherung auf den ersten Blick günstig und attraktiv, doch wenn Sie am Ende die gleiche Leistung haben wollen, bezahlen Sie mehr als ein Angestellter, dessen Beiträge zur Hälfte vom Arbeitgeber finanziert werden.
  • Arbeitnehmer haben zusätzliche Vergünstigungen und Sonderzahlungen – Selbstständige nicht. Beim Angestellten besteht das Jahresgehalt nicht nur aus dem zwölffachen eines Monatslohns. Zusätzliche Leistungen des Arbeitgebers summieren sich meist zu einem erklecklichen Betrag: Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Fahrtkostenerstattung, Vermögenswirksame Leistungen und Zuwendungen bei Heirat oder Geburt sind nur einige Beispiele. Vor allem in Großunternehmen kommen weitere Vergünstigungen wie Kantinenzuschüsse, Betriebskindergarten, betriebliche Altersvorsorge, Belegschaftsaktien oder Gewinnbeteiligung hinzu. Auf all diese zusätzlichen Einnahmequellen müssen Sie als Freiberufler oder Selbstständiger verzichten – und: Jeder Tag Urlaub, den Sie sich gönnen, ist unbezahlt!
  • Im Fall einer Krankheit gibt es weder Lohnfortzahlung noch Krankengeld. Wer als Angestellter das Bett hüten oder ins Krankenhaus muss, braucht sich um sein Gehalt keine Sorgen zu machen, weil er sechs Wochen lang vom Arbeitgeber Lohnfortzahlung und danach von der Krankenkasse Krankengeld bekommt. Als Selbstständiger können Sie solche Leistungen nicht beanspruchen – es sei denn, Sie haben zusätzlich zu Ihrer Krankenversicherung eine Krankentagegeldversicherung abgeschlossen, die Ihnen pro Tag eine vorher festgelegte Summe bezahlt, wenn Sie krank werden. Doch diese Versicherung kostet meist stattliche Prämien. Dennoch ist der Abschluss einer solchen Police empfehlenswert, um zumindest längere Krankheitsphasen finanziell überbrücken zu können.
  • Sie müssen sich entweder zu Hause einen eigenen Arbeitsplatz einrichten oder Räumlichkeiten anmieten, die Sie jeden Monat Geld kosten. Wenn Sie extern arbeiten, spart der Auftraggeber somit Raumkosten.

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