Risikomanagement bei der Geldanlage

Risikomanagement ist nicht nur eine Angelegenheit von Versicherungen, die bei ihren Kunden abschätzen müssen, ob die zu zahlende Prämie dem Risiko angemessen ist. Auch bei der Geldanlage spielt das Einschätzen von Risiken eine wichtige Rolle – und bei Freelancern und anderen Selbstständigen müssen sogar geschäftliche und finanzielle Risiken ganzheitlich betrachtet werden.

Was bedeutet das für Ihre persönliche Anlagestrategie? Zunächst einmal sollten Sie sich darüber im klaren sein, wie groß die finanziellen Risiken sind, die mit Ihrer Selbstständigkeit verbunden sind. Das kann konkret bedeuten, dass Sie im Vergleich zu einem fest angestellen Arbeitnehmer oder gar einem Beamten mit viel mehr Unsicherheit und Schwankungen beim Einkommen rechnen müssen. Ein weiterer Gefahrenherd kommt hinzu, wenn Sie einen Teil Ihrer Existenzgründung auf Kredit finanziert haben – denn das bringt bei geschäftlichen Misserfolgen unangenehme Hebelwirkungen mit sich, weil Zinsen auflaufen und Kredite sich verteuern.

Mit schwankungsintensiven Anlagen wie beispielsweise Aktienfonds oder Anlagezertifikaten satteln Sie noch ein weiteres Risiko obendrauf. Das kann dann bedeuten, dass zusätzlich zu Ihrem Einkommen auch noch der aktuelle Wert Ihres Vermögens Schwankungen unterworfen ist. Wenn sich diese Schwankungen gegenseitig verstärken, können Sie schneller als Ihnen lieb ist auf eine finanzielle Achterbahn geraten.

Selbstständige müssen ihre Anlageziele anders gewichten

Bei selbstständigen Unternehmern sind die einzelnen Bereiche der Geldanlage anders zu gewichten als bei einem Durchschnitts-Arbeitnehmer. Grob ausgedrückt gliedert sich die Geldanlage in vier Segmente:

  • Finanzielle Reserve. Das ist der Notgroschen, der für ungeplante Ausgaben zur Verfügung stehen sollte. Wenn Sie selbstständig arbeiten, brauchen Sie noch zusätzliche Reserven, um einkommensschwache Wochen ohne teure Kredite überbrücken zu können. Damit hat dieser Bereich, der nur mit sicheren Tagesgeldern und kurzlaufenden Festgeldern bestückt werden sollte, für Selbstständige mehr Bedeutung.
  • Sparen auf Anschaffungen. Hier geht es um die Eigenkapitalbildung für größere Investitionen wie etwa das nächste Auto oder Möbel. In unterschiedlichem Umfang kommen bei Selbstständigen noch betriebliche Anschaffungen hinzu. Auch hier dominieren sichere Ratensparverträge.
  • Altersvorsorge. Je nachdem, ob Sie weiterhin in der gesetzlichen Rentenversicherung Mitglied sind oder Ihre Vorsorge selbst in die Hand nehmen, haben Sie zusätzlichen Bedarf an Kapitalbildung. Geeignete Anlageformen sind Rürup-Rentensparpläne, bei manchen Berufsgruppen kommt sogar die Riester-Rente in Frage. Sicherheit ist hier wichtiger als eine maximale Renditechance.
  • Freier Vermögensaufbau. In diesem Bereich sind Aktien und ähnliche Anlageformen gut aufgehoben. Allerdings kommt er auf der Prioritätenliste an letzter Stelle.

Aus dieser Aufteilung wird ersichtlich, dass bei Selbstständigen Anlageziele dominieren, bei denen Sicherheit gefordert ist. Der Beamte mit sicherer Pension und festem Einkommen braucht weniger Finanzreserven und zusätzliche Altersvorsorge als ein Unternehmer und kann mehr Spielgeld in das freie Vermögen fließen lassen – überspitzt formuliert: Der Beamte kann zocken, aber Sie haben schon in Ihrer Einkommensstruktur genügend Risiken.

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